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Do, 17.05.2012

Autor

Redaktion

02.07.2009 20:13

Bericht einer Abschiebung... "Unsere tragische Geschichte" - geschrieben von Egzon und Familie Hoxha

VERMISS EUCH ALLE... MEIN ENGEL JANINE UND IHRE FAMILIE... MEIN SCHULFREUNDE. DIE LEHRER. UND GANZ ÖSTERREICH.. So endet der Brief, geschrieben von jungen Burschen aus dem Kosovo, die bestens in Österreich integriert waren - bis sie kürzlich aus dem Unterricht herausgerissen und zurück in den Kosovo gebracht wurden...

Unsere tragische Geschichte

Dardan
Egzon
Dorina
Frau Hoxha

Der Tag fing wie jeder normale Tag an. Keiner hatte damit gerechnet das dieser Tag ein schreckliches Ende nimmt.

Ich bin in die Früh um 5 Uhr aufgestanden, und bin in die Schule gegangen. Dann in der zweiten Stunde habe ich Informatik gehabt. Und dann hab ich den Befehl bekommen in das Sekretariat zu gehn. Ich hab mich so sehr gefreut, dass ich für das nächste Schuljahr aufgenommen werde.

Dann mach ich die Sekretariattür auf, und auf einmal sah ich zwei Polizisten.
Die haben zu mir gesagt, dass ich und mein Familie nach Kosovo abgeschoben werden.

Und ich weinte, weinte bis ich ned mehr konnte.. Ich war so traurig und nervös, und depressiv... ich weiss nicht was ich machen sollte..

Ich wurde fast festgenommen und ungerecht behandelt von denen.
Und ich hatte so eine große Angst, das irgendwas mit meiner Mutter passiert wurde bzw. Schwester, Bruder und Mutter.

Ich machte einfach ganz viele Gedanken.... und immer negativ gedacht..

Die zwei Polizisten haben mich ned mal normal reden lassen. Die haben mir immer  gesagt das für euch kein Chance gibt und das, das ganze scheiss egal ist....
Die haben einfach gar keinen Schmerz für uns gehabt... egal ob wir kein Haus haben, oder kein Essen, das war einfach egal für die zwei...

Ich versteh es einfach nicht.. Wir sind seit 3 halb Jahren in Österreich und warum werden wir abgeschoben.. warum einfach das... was haben wir gemacht.. wir sind so arme Familie... und das versteht eh keiner... ??????!!!!!!!!!

Alle Lehrer standen mir zur Seite und trösteten mich.
Die Polizei erlaubten mir nicht das ich zu meiner Freundin wenigstens tschüss sage... Und das war no schwer für mich.. weil sie einfach mein wahre Liebe ist, und das ich mich mit ihr ganz super verstanden habe... und sie hat mir immer mit der Schule geholfen... Mein Klassenvorstand setzte sich mit voller Kraft für uns ein.
Ich versteh nicht, warum ich so ungerecht behandelt wurde, und ich hab es unfair gefunden, das ich nicht noch mal meine Freundin sehen sollte.

Am Ende durfte ich mich doch noch von meinem Freundin verabschieden, aber nur für eine Minute, was meiner Meinung nach zu wenig war, da ich nicht gewusst habe, wie es weiter geht, wann ich abgeschoben werde und ich fühlte mich einfach wie ein Schwerbrecher, der ich aber nicht bin, denn ich wollte doch nur ein normales Leben in Österreich fuhren, doch keiner gibt uns die Chancen dafür...
Ich wurde dann ins Polizeiautogebracht, und fuhr von der Schule weg, es war einfach schrecklich zu wissen das ich meine ganzen Mitschüler, und meine Freundin, nie wieder sehen werde, meine Welt brach innerhalb von 5 Minuten völlig zusammen.

Die Polizei brachte mich zu meiner Mutter, Bruder und Schwester. Die drei waren einfach vuii fertig und traurig... Meine Mutter weinte wie ein kleines Kind... sie hatte immer Kopfschmerzen...

Dann wurden wir gleich in Wien Schubhaft gebracht. Dort war einfach eine Katastrophe für uns... Ich hab angst gehabt das ich festgenommen werde, und das auch fur immer... Es war einfach eine Schubhaft, aber für mich war es wie eine Hunde Hütte... Da drinnen konnte ich ned mal normal atmen... Ich konnte die ganze Nacht ned schlafen, weil ich so viel angst hatte und voller Sorgen war...
Ich hatte auch so viel Hunger, weil wir sooo wenig zu essen bekommen haben..
Ich wollte mich umbringen. Ich hab gedacht das wäre eine Lösung für mich bzw. für uns alle..

Aber hab mir auch lieber gedacht, vielleicht wird wieder alles gut. Aber nur wenn ich wieder in Österreich bin, dann wird alles gut sein sonst ned. Dann am morgen, wurden wir alle zum Flughafen gebracht. Es waren mindestens. 50 Polizisten, und dann in zwei Stunden waren wir schon im Kosovo, leider..
Na ja. Für uns ist einfach viel zu schwer..

  1. Wir haben kein Haus.
  2. keine Arbeit
  3. keine Sicherheit..
  4. ich vermiss meine Freundin und die Eltern von ihr ganz viel... und meine Schulfreunde, meine Lehrer. und das Land Österreich..

Ich versteh nicht, warum ist die ganze Sache so geworden.... wir waren so gut integriert mit Schule, Freunde usw. aber trotzdem wurden wir einfach plötzlich abgeschoben ohne zu wissen..

Wir haben ned mal genug Geld, ned mal etwas essen oder trinken bzw. auch kein Gwand.. das ist wirklich schwer und das versteht eh keiner...

VERMISS EUCH ALLE... MEIN ENGEL JANINE UND IHRE FAMILIE.. MEINE SCHULFREUNDE. DIE LEHRER. UND GANZ ÖSTERREICH..

BITTE HELFT UNS.. WÄRE NETT VON EUCH...
BITTE DANKE SCHÖN...

GESCHRIBEN VON EGZON UND FAMILIE HOXHA

Brief einer Betroffenen...

Vielleicht haben Sie gestern Steiermark Heute gesehen, vielleicht auch nicht. Einer der Beiträge handelte von der Abschiebung zweier Schüler aus der HLW Krieglach zurück in den Kosovo.

Bei diesen Jungen handelt es sich um ein Brüderpaar , Dardan  (16) und Egzon (18), die mit ihrer Mutter und ihrer Schwester Dorina (8) seit 3,5 Jahren in Österreich sind, genauer gesagt in Ratten, im Bezirk Weiz. Vorher waren sie 2 Jahre in der Schweiz. Die Mutter ist Witwe, die Kinder somit Halbwaisen. Sowohl im Dorfleben als auch in der Schule waren sie perfekt integriert. Sie nahmen aktiv am Vereinslebenteil  - Egzon ist z.B. ein ausgezeichneter Fußballspieler.

Mehr noch:
Mein Sohn M. (17) besucht seit 2 Jahren die HLW Krieglach und ging mit beiden in dieselbe Klasse. M. hat eine hochgradige Sehbehinderung und zusätzlich spastische Tetraplegie. Er hat in seinem Leben bezüglich "Mitmenschen" schon sehr viel mitgemacht. Diese beiden haben ihm den Schulalltag erhellt. Sie waren immer hilfsbereit, immer zur Stelle, immer gab es aufmunternde Worte. Zum ersten Mal erlebte er, was es heißt, als Jugendlicher angenommen zu werden, ohne wenn und aber. Hier gab es keine Ausgrenzung. Oft wollten wir sie einladen, als Dankeschön, aber immer lehnten sie ab, denn "es sei selbstverständlich für M. da zu sein, sein Glück wäre ihnen Dank genug".

Seit Montag, den 29.06. 2009 ist jedoch alles anders. Im April wurde der Asylantrag der Familie Hoxha negativ beschieden. Es erfolgte der Antrag auf Humanitäres Bleiberecht. Der Vizebürgermeister von Ratten hätte die Patenschaft für die beiden Buben, die Familie Posch jene für Mutter und Tochter übernommen.

Auf die Schreiben an die BH Weiz erfolgte bis dato keine Reaktion. Dieser Antrag hat natürlich keine rechtsaufschiebende Wirkung auf die Abschiebung. Juristisch gesehen verlief diese also korrekt. Aber humanitär.....?

Dabei gab es noch vor einer Woche die Auskunft, dass der Kosovo keine Lebensgrundlage bieten könne und sie zu 80 % hier bleiben könnten. Dann diese Schnellaktion – Abholen – Schubhaft – Flieger – Kosovo, all dies innerhalb von 24 Stunden. Handys wurden abgenommen, keinerlei Telefonkontakt war erlaubt.

Im Kosovo haben sie keine gemeinsame Unterkunft (die Familie wurde gesplittet, kein Geld, keine Nahrung, keine Arbeit, keine Kleidung (sie durften so gut wie nichts mitnehmen).

Diese Familie war bestens integriert. Da gab es keine Straftat, kein Randalieren, kein sich Beklagen „man bekäme zu wenig“. Dies waren und sind fleißige Menschen, die es nicht nur verdient haben in Österreich zu bleiben, sondern auch den  - zur Zeit sehr niedrigen – humanitären Grad in Österreich anheben.

Mein Sohn M. hätte auch gerne selbst etwas geschrieben, da er aber emotional so mitgenommen ist, funktioniert das Sprachprogramm nicht, und handmotorisch ist es zu beschwerlich.

(Brief etwas gekürzt)




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